Wie die Wohnimmobilienkreditrichtlinie barrierefreies Wohnen verhindert

6. September 2016

Wohn-Riester, Wohnungsbauprämie und zinsgünstige Kredite für barrierefreies Wohnen sind die Fördermittel, welche der Staat Kauf-, Bau- oder Umbauwilligen zur Verfügung stellt. Soweit die Theorie. Diese wird jedoch durch die neue Wohnimmobilienkreditrichtlinie auf das Feinste konterkariert. Gedacht als Instrument des Verbraucherschutzes, hat sie sich als ein Unding herausgestellt, welches dem Gedanken an Förderung von Wohneigentum und altersgerechtem Wohnen direkt zuwiderläuft.

Die Interpretation der Richtlinie

Die Vorgabe aus Brüssel lautete, dass sichergestellt sein muss, dass ein Hausdarlehen zurückgeführt werden kann. Wie, sagte der Gesetzesentwurf nicht. Die Bundesregierung interpretierte die Brüsseler Worte so, dass der Darlehensnehmer im Rahmen seiner statistischen Lebenserwartung das Darlehen zurückführen muss. Erben sind ebenso unberücksichtigt, wie eine Wertsteigerung der Immobilie, welche die Darlehenshöhe am Ende übersteigt. Der Rahmen, den die Bundesregierung gesetzt hat, ist so eng, dass die Darlehensvergabe in Deutschland zu Zeiten historisch niedriger Bauzinsen seit Einführung im März 2016 um 20 Prozent zurückgegangen ist. Zu den Ablehnungsgründen zählen beispielsweise späterer Kinderwunsch, welcher die Liquidität beeinträchtigt, eventuelle Scheidungen, welche mit Unterhaltszahlungen verbunden sind, eventueller Arbeitsplatzverlust oder eine spätere Berufsunfähigkeit. Theoretisch dürften Hypothekenkredite nur noch an alleine stehende, nicht-rauchende und sterilisierte Beamte zwischen 30 und 40 Jahren vergeben werden.

Knackpunkt Alter

Angenommen, ein Ehepaar um die 60 möchte das schuldenfreie Eigenheim altersgerecht umbauen. Die statistische Lebenserwartung liegt bei 80 Jahren. Die monatliche Belastung aus dem Kredit wäre zu tragen, die Kinder würden das Haus erben, damit die eventuelle Restschuld. Der Wert des Objektes übersteigt die Höhe des avisierten Darlehens. Was sagt die Bank zu der Kreditanfrage? Sie sagt bei einem normalen Tilgungssatz Nein, denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Kreditnehmer die Hypothek im Rahmen ihrer statistischen Lebenserwartung zurückführen, ist gering. Alle anderen Faktoren interessieren seit der Einführung der Richtlinie niemanden mehr, absurd. Welche Alternativen bleiben in einem solchen Fall? Internetportale für Kredite von privat an privat haben sich in den letzten Jahren auch hierzulande etabliert. Das Schöne ist, dass diese Portale teilweise eine Kreditaufnahme bis zum 69. Lebensjahr zulassen. Die Stellung von Sicherheiten kann individuell vereinbart werden. Die Abwicklung der Kredite, Auszahlung und Rückführung, erfolgt unter treuhänderischer Aufsicht einer Bank. Darlehensnehmer stellen ihr geplantes Projekt anonym auf der Plattform ein. Private Anleger können sich nun mit individuellen Tranchen an der Finanzierung beteiligen. Die Höhe der zu zahlenden Zinsen ergibt sich aus der Bonität der Antragsteller, liegt aber leider ein wenig über den Zinsen für eine klassische Baufinanzierung. Auf der anderen Seite bieten diese Kredite eine Alternative zur Absurdität dieser Richtlinie.